Hans-Jürgen Wulf: Unser Chorleiter

Chorleiter

Seit dem Sommer 2009 leitet Hans-Jürgen Wulf die Compagnia Vocale Hamburg.

Chormusikalische Kompetenz hat Wulf schon als kleiner Junge gesammelt: Max und Moritz von Günther Kretschmar ist eines seiner ersten Stücke, das er im Kinderchor mitsingt. Aufgewachsen in der nordfriesischen Provinz, wo sein Vater Propst des Kirchenkreises Eiderstedt war und die Kirche Kulturmonopolist ist, gehören Gesang und Orgelmusik wie Nordseerauschen und Orkangetöse zur Klangkulisse seiner Kindheit. Als Sopran singt er mit seinen Eltern im großen Chor die Matthäus-Passion, später dasselbe Oratorium als Tenor. Mit acht Jahren bekommt er Klavierunterricht, lernt zudem Trompete und Flöte, beginnt mit vierzehn Orgel zu spielen und legt noch vor dem Abitur die C-Prüfung ab.

In Hamburg beginnt Hans-Jürgen Wulf Theologie zu studieren und hilft als Kirchenmusiker aus. Lange kann er sich nicht entscheiden, was ihn stärker reizt: das überlieferte Wort Gottes oder die Kunst, es vielstimmig erklingen zu lassen. Und weil dazwischen eigentlich kein ausschließendes Oder steht, denn in der lutherischen Kirche hat die Musik zentralen Anteil am Verkündigungsgeschehen, entscheidet er sich für die Musik.

Schon während des Studiums in Herford arbeitet Wulf als Kantorei-Assistent und bekleidet bis zur A-Prüfung in Frankfurt am Main nebenbei eine C-Stelle. In Herford singt der Student im Hochschul-Chor mit und in der berühmten Westfälischen Kantorei. In Frankfurt ist es die von Kurt Thomas gegründete Frankfurter Kantorei, die kammermusikalische Werke und Oratorien aufführt und unter ihrem Leiter Wolfgang Schäfer zweimal Preisträger im internationalen Wettbewerb der Europäischen Rundfunkunion Let the peoples sing wurde. Mit dem Collegium Vocale Limburg, das von Eberhard Metternich, Domkapellmeister in Köln, geleitet wurde und 1985 beim 2. Deutschen Chorwettbewerb den 1. Preis in der Kategorie Männerkammerchöre gewann, nimmt Hans-Jürgen Wulf eine CD auf: Romantische Kirchenmusik für Männerchor und Orgel, mit Messen, Motetten und Trauerchören von Cornelius, Mendelssohn und Rheinberger.

Großartige musikalische Erlebnisse nennt Wulf die Projekte und Auftritte mit Eric Ericson im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Enorm bereichert habe ihn die Arbeit mit Ericson, dieser Chorleiterlegende, die nicht nur in Schweden, sondern in ganz Nordeuropa und darüber hinaus eine der maßstabsetzenden Figuren in der Chorleitungsszene ist.

1992 wird Hans-Jürgen Wulf Kantor an der Marktkirche in Hamburg-Niendorf. Der kleine achteckige Bau, innen weiß-golden spätbarock ausgeschmückt, ist heißbegehrt bei Brautpaaren: 27 Trauungen begleitet Wulf im ersten Monat an der Orgel. Weil das in die Jahre gekommene Instrument nicht mehr viele Hochzeiten überstanden hätte, kämpft der junge Kirchenmusiker für ihre Erneuerung im historischen Gehäuse. Mit dem hinzugewonnenen technischen Wissen, das er mit Kursen an der Orgelbauer-Fachschule untermauert, wird er zu einem von fünf Orgelsachverständigen der Nordelbischen Kirche. 2002 übernimmt er zudem die Leitung für die Nacht der Chöre in der Hamburger Hauptkirche St. Petri: Einmal im Jahr an einem Sommersonnabend singen etwa 30 Chöre im fortlaufenden Wechsel im Altarraum und auf der Empore von 15 Uhr bis Mitternacht. Der Singemarathon ist inzwischen eine Institution in der Hamburger Chorszene und so sehr begehrt, dass nicht alle Ensembles, die sich anmelden, auch teilnehmen können.

Seit dem Sommer 2008 bekleidet Hans-Jürgen Wulf in der Nordkirche das Amt eines Landeskirchenmusikdirektors (LKMD). Damit ist er zuständig für etwa 200 Kantoren und Hunderte von Chören mit mehr als 22.500 singenden und musizierenden Menschen zwischen Flensburg und Hamburg.

Compagnia Vocale Hamburg